Malgorzata Chodakowska

geb. 1965 in Lodz. 1985-1991 Studium Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau und Wien. Seit 1991 freischaffende Künstlerin in Dresden. Mehrere Einzelausstellungen u.a. 2007 im Palais im Gro\en Garten in Dresden.

 

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Im Maulkorb

Fotoabzüge in Nummer 4 

 

Portrait

 

Die 1965 in Lódz geborene Bildhauerin versteht es, entwurzelten Linden, Eichen und Tulpenbäumen neues Leben einzuhauchen. In ihrem Atelier in Dresden verwandelt sie das Holz toter Bäume in atmendes Fleisch, in Haut, Knochen, Muskeln und Sehnen. Im Mittelpunkt der Arbeiten von Malgorzata Chodakowska steht die menschliche Figur, dabei ist der Anteil weiblicher Körper überwiegend. Meist sind es grazile Tänzerinnen, die sich in fließenden Bewegungen anmutig gebärden und so verschiedenen Seelenzuständen Ausdruck verleihen. Durch die Beschaffenheit des Materials, die Maserung des Holzes und den lasierenden Farbauftrag, der Gesicht und Gewand betont, entsteht eine Lebendigkeit, die in dem Betrachter das Bedürfnis erzeugt, die Figuren zu berühren. Sie wirken erotisch anziehend und verletzlich und doch keuch und unumstößlich. Sind sie doch Abbilder des menschlichen Körpers so scheinen sie in ihrer gespenstischen Vollkommenheit aus einer irrealen Welt zu entstammen in der sich der Augenblick einer Bewegung in die Ewigkeit ausdehnt.

Oft schauen die Augen der Skulpturen durch den Betrachter hindurch und schaffen so eine Distanz, in deren Raum seine Projektionen ihren Platz finden und er mit seinen eigenen Empfindungen konfrontiert wird. Dies ist vielleicht das Geheimnis dieser Figuren, der Stammfrauen, Tänzerinnen oder Abbilder Evas, wie sie die Künstlerin selbst bezeichnet. Sie scheinen den Wunsch nach Berührung zu erwidern indem sie uns mit ihrer bloßen Anwesenheit berühren und in uns ein Gefühl der Wehmut erzeugen.

Unbeeindruckt vom Trend der zeitgenössischen Kunst, alles Schöne zu meiden, stellt Malgorzata Chodakowska gerade die Sehnsucht nach Schönheit und Anmut in den Vordergrund. Schon bei Platon ist Eros die Kraft der Seele, die nach dem Schönen strebt und so Vollkommenheit erreicht. Doch scheinen die Skulpturen nicht nur auf eine äußere Harmonie der Formen zu zielen sondern auf ein Abbild der inneren Formen, der inneren Harmonie, der zärtlichen Empfindung.

Durch ihre Nacktheit, die durch die enganliegende transparente Kleidung, ähnlich des „nassen Stils“ der Antike, statt verdeckt eher noch betont wird, wirken die lebensgroßen Figuren greifbar nah. Doch durch ihre innere Entrücktheit und die Erhöhung durch den Sockel, aus dem sie gleichsam einer Pflanze aus der Erde erwachsen, sind sie uns ebenso fern und unberührbar. In sich ruhend scheinen sie gegen jegliche Hektik des Alltags immun zu sein und verharren auf nur wenigen Quadratzentimetern Standfläche in einer perfekten Balance.

(Mandy Jeserich)